„Ich habe bis heute nicht das Gefühl, dass ich zur Arbeit gehe“ – Der Arbeitsalltag eines Metalheads

Die Deutsche POP in Bremen. Lounge Bereich, wir schreiben das Jahr 2016. In der Ecke sitzt ein authentischer Typ und shreddet zwischen den Unterrichtseinheiten auf seiner Gitarre. Breite Statur, lange Mähne, Zottelbart; eines wird mit dem Erscheinungsbild von Emanuel Knorr direkt klar: Da sitzt ein echter Metalhead mit Leib und Seele. Seit seiner Jugend ist der 24-Jährige der Gitarre verfallen und hat deswegen bei der Deutschen POP seine musikalische Ausbildung abgeschlossen. Dass er einige Jahre später als Dozent zurückkehren würde, hat auch er damals nicht gedacht, doch der POP Absolvent liebt seine Arbeit. Sein Geheimnis? Abwechslung! Was er sonst noch so macht, um seine Brötchen zu verdienen und wie man als Metalhead im öffentlichen Dienst landet, verrät uns Emanuel in einem exklusiven Interview. 

Noch eine Runde DPOP, bitte!

Vom Studenten, über den BA-Absolventen bis hin zum Dozenten – Emanuel hat die Akademie in den vergangenen Jahren von allen Seiten kennengelernt. Für die Deutsche POP hat sich der Bremer damals entschieden, weil er sich nicht „ins Konservatorium setzen und Bachkantaten analysieren wolle. Ich wollte das ganze praxisbezogener machen“. Nach seiner Diploma Ausbildung Sound Engineer hat er kurzerhand den akademischen Pfad eingeschlagen. Auf den BA (Hons) Music Technology Specialist folgt der Master in Music Performance an der UWL.

Mit seiner Laufbahn hat sich der junge Gitarrist schnell für eine Dozentenposition qualifiziert. Am Standort Bremen unterrichter er nun im Musik- und Marketing-Bereich.

„Manchmal ist es komisch. Es ist noch nicht so lange her, dass ich auf der anderen Seite vom Klassenzimmer saß“ 

Doch genau diese Sichtweise ermöglicht einem auch einen gewissen Vorteil: Man versteht, wie man am besten dozieren muss, sodass „eine gute Balance aus Erfahrung und Empathie besteht“.

Professionalität + Leidenschaft = Traumjob

Was viele Menschen davon abhält, eine Ausbildung im Kreativbereich zu starten, sind altbackene Annahmen á la „damit kannst du später eh nichts machen“. Emanuels Werdegang ist ein Paradebeispiel dafür, dass diese Klischees längst überholt sind. Karrieremöglichkeiten in der Kreativbranche gibt es genug, man muss nur wissen, wo man sie findet.

Neben seiner Dozentenposition ist Emanuel Endorser für Musikprodukte (u.a. Ibanez Guitars und BluGuitar Amps), macht Content Marketing für Kloppmann Electrics und Tonepedia und ist ganz nebenbei auch noch Session Musiker und Lead Gitarrist der erfolgreichen Metal Band Majesty (mehrfach in den Top Album Charts, davon 2x mit Emanuel). Das Vorurteil, eine kreative Ausbildung führe zu nichts, wäre damit wohl ausgeräumt; die Kombination aus (akademischer) Ausbildung und der Leidenschaft zur Musik hat Emanuel mitten ins Berufsleben befördert.

 „Das Zertifikat hat mir einige Türen geöffnet und hatte beruflich und akademisch einen großen Mehrwert“

Ein Tipp, um beruflich anzukommen: Offen sein und sich breit aufstellen. Der Studiomusiker in Emanuel fügt hinzu: „Das darf ich gar nicht sagen, falls das Metalheads lesen, aber ich hab auch schon Schlager aufgenommen. Weil ich die Musik verstehe, kann ich für alle Genres spielen, was gebraucht wird“.

Mit der Abwechslung ist der POP Dozent sehr zufrieden: „Ich mache das Ganze, weil ich nicht in eine Routine rutschen will“. So kann es durchaus mal passieren, dass man sich als Metaler im öffentlichen Dienst wiederfindet (ja, das macht er übrigens auch noch). Emanuel ist hier als Dozent und Content Marketer für den Landkreis Diepholz tätig. Der Bremer ist ein vielbeschäftigter Typ, doch sein Fazit: „Ich habe bis heute nicht das Gefühl, dass ich zur Arbeit gehe“. Gerade diese Abwechslung sei das Schöne an der Kreativindustrie: „Es ist ein bisschen vergleichbar mit dem Erlernen eines Instrumentes. Je mehr ich lerne, desto mehr realisiere ich, dass das alles keine Grenzen hat“. 

Alles hängt zusammen

Als jemand, der in vielen Bereichen unterwegs ist, weiß Emanuel den Mehrwert von Networking zu schätzen: „Durch die Zusammenarbeit mit Studenten aus anderen Fachbereichen habe ich ein Verständnis für das große Gesamtbild bekommen. Letztendlich hängt alles irgendwie zusammen“. Mit anderen Worten -  versuch als Musiker mal, ein Album herauszubringen ohne Manager, Designer oder Tontechniker. „Ein Umfeld wie an der POP ist optimal, da hier alle Bereiche gebündelt zusammenkommen“. Man sollte alles mitnehmen, denn man weiß nie, welchen Effekt das auf die eigene Karriere haben kann; davon ist der junge Musiker überzeugt.

„Ich habe während meiner Zeit an der POP viele Skills gelernt, die es mir erlaubt haben, mich in einem total überfüllten Markt abzusetzen“

Zum Schluss noch eine Frage an den Metaler: Welcher Moment bleibt dir besonders im Gedächtnis?

Emanuel:  „2015, ich hatte gerade Mathe geschrieben. Wir haben eine Festival Tour gespielt. Nach vielen Gigs hintereinander bekommt man eine Art Tunnelblick, ich wusste nicht mehr, wo ich war. Plötzlich merkte ich, dass ich beim Summerbreeze auf der Mainstage stand. 40. 000 Leute warteten darauf, dass ich meine Kunst performe. Da ist mir klargeworden: Die Kunst ist größer als der Künstler".

Die Deutsche POP in Bremen. Wir schreiben das Jahr 2021, zurück in der Lounge –  Emanuel sitzt jetzt hier als Dozent und trinkt seinen Kaffee. An eine Tour mit Majesty ist gerade nicht zu denken, doch das Arbeitsleben läuft auf Hochtouren, zu tun gibt es immer genug. Wenn man sehen will, wohin ein Abschluss im Kreativbereich führen kann, braucht man sich nur das Beispiel Emanuel ansehen. Alles ist denkbar, und mit den richtigen Tricks und Kniffen fühlt sich die Arbeit nicht nach Arbeit an. Klingt doch nach einem Traum, oder? Und wenn wir mal ehrlich sind – wollen wir da nicht alle hin?

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