Tatort à la Hansestadt – Hamburger Dozent & Studenten gewinnen Filmpreise

Hamburger Film-Dozent Sven Knüppel und sein Studenten-Team haben dieses Jahr mit ihrem lehrreichen Umweltkrimi „Der Ballonmörder“ bei diversen Film-Festivals abgeräumt. Vom Moscow International Children's Film Festival gab's den Preis für „Best Narrative Short“; beim Golden Harvest Filmfestival in Tokyo hat der Film in den Kategorien „Best Short“ und „Best Drama“ gleich zwei Auszeichnungen erhalten. Der Kurzfilm mit Promi-Besetzung weist auf spielerische Art auf die Gefahren und Auswirkungen von Umweltverschmutzung hin. Wie viel Arbeit eigentlich hinter so einem Kurzfilm steckt und warum der Film nicht nur für Kinder gedacht ist: Regisseur, Autor und POP Dozent Sven deckt auf. 

16:50 ab Poppenbüttel – Mörder Ahoi

Szene: Ein frischer Nordwind weht, Salzwasser liegt in der Luft. Die Polizeimöwen Eggers und Lenni stehen vor einem Rätsel – an der Elbe ist ein Mord passiert. Das Opfer: Ein Seevogel, die Tatwaffe: Ein Ballon?! Das zuständige Polizeiteam ist ratlos – was ist hier passiert? Vom Chef gibt´s direkt Feuer unter den Federn; der Mord muss so schnell wie möglich aufgeklärt werden. Dabei ermittelt nicht nur das dynamische Detektiv-Duo, sondern auch Fräulein Gloria (die Miss Marple unter den Möwen), die auf eigene Faust herumschnüffelt. Wer hat den toten Seevogel auf dem Gewissen? Das Knifflige daran: Jeder kann der Mörder sein. 

Unterhaltung mit klarer Message

In einem Interview erzählt uns Sven, dass der Kurzfilm im Rahmen einer Kooperation mit der Umweltschutzorganisation Sea Shepherd entstanden ist. Damit soll besonders auf die (unbewussten) Gefahren von Umweltverschmutzung aufmerksam gemacht werden. Wer vermutet schon, dass Heliumballons gefährlich sein können? Seltsam, wenn man darüber nachdenkt, denn jeder Ballon verschmutzt über kurz oder lang die Umwelt, landet im Meer und kann sogar seine Bewohner töten. Ein Dilemma, findet der POP Dozent, denn „der Ballon ist auch Symbol von kindlicher Freude und Harmlosigkeit“. Dies sei auch mit ein Grund, weshalb er und sein Team sich für das Puppen-Format entschieden haben:

„Kinder reagieren ganz anders auf einen Film als auf einen Vortrag. Durch die Puppen ist alles viel greifbarer und emotionaler“.

Der Ballonmörder bedient sich klassischer (und ein wenig klischeehafter) Detektiv-Film-Elemente und ist somit nicht nur was für Kinder. Einige Referenzen sprechen auch die erwachsenen Zuschauer an; so hat zum Beispiel der Clown aus Stephen King's „ES“ einen kleinen Gastauftritt. Das Endergebnis ist nicht belehrend, sondern unterhaltsam und „sorgt bei Kindern für das nötige Aha-Erlebnis, damit die Message auch verstanden wird“.  Umweltverschmutzung ist ein heikles Thema, das viel Aufmerksamkeit und vor allem eine richtige Herangehensweise verdient. Der Film sei deshalb auch an Erwachsene gerichtet, um hoffentlich Denkweisen nach dem Motto Ach, es ist doch nur eine Plastikflasche/ein Zigarettenstummel  zu beleuchten. 

Fachübergreifend zum Ziel

Für den Filmemacher vom Gula Mons Filmsyndikat ist es nicht der erste Umweltfilm. Schon zuvor entstand in Kooperation mit Sea Shepherd ein 2-Minütiger Aufklärungsfilm zum Thema Beach Cleaning, der viel positives Feedback erhalten hat. Sven sieht jede Produktion als Chance für seine Studenten, aus erster Hand Erfahrung zu sammeln und ihr Portfolio zu befüllen: „Ich binde meist Schüler in meine Projekte mit ein“. So bestand das Team für den Ballonmörder aus ungefähr 35 Studenten, Dozenten und Alumni, die sich um die Produktion gekümmert haben, inklusive Catering, Aufbau, Licht, Bühnenbild und vielem mehr. Hinter einer Filmproduktion stecke mehr Arbeit, als man zunächst vermute, denn „es gibt viele Funktionen, die im Hintergrund übernommen werden müssen, damit alles richtig läuft“. Glücklicherweise laufen an der POP viele kreative Fachbereiche zusammen, sodass die Suche nach einem Team nicht allzu schwer fiel. So entstanden zum Beispiel die Kostüme im Fashion Bereich, Maske und Haare wurden von einer Dozentin im Make-Up Bereich übernommen, und der Hinterhof der Hamburger POP wurde im Handumdrehen zur Filmkulisse. 

Kultige Möwen und Promibesetzung

Beim Casting war es dem Team wichtig, eine prominente Schauspiel-Crew an Land zu ziehen, denn Starbesetzung hilft natürlich bei der Reichweite des Endproduktes. Durch seinen Beruf hatte Sven bereits viele Kontakte zu Agenturen und Schauspielern gesammelt, die bei der Suche nach den richtigen Promis sehr hilfreich waren. Letztendlich gelang es dem Team, Herbert Knaup und Francis Fulton-Smith vom guten Zweck dieser Produktion zu überzeugen; und sogar Prinz Albert von Monaco hat einen kleinen Gastauftritt. Die Schauspieler hatten jedoch nur wenige Stunden Zeit; das Ballonmörder-Team musste also sehr gut vorausplanen, koordinieren und unter realen Bedingungen arbeiten. Das war teilweise herausfordernd, aber hat vor allem Spaß gemacht. Doch auch die beiden Hauptdarsteller sind schon kleine Berühmtheiten: Die norddeutschen Möwen Eggers und Lenni haben mittlerweile schon Kultstatus und einen eigenen YouTube Kanal

Guter Zweck, gutes Feedback

Nachdem das fertige Produkt abgedreht war, hat sich das Team direkt bei mehreren Film-Festivals beworben, was bis dato schon 3 Auszeichnungen nach sich zieht. Wohlverdient – die lehrreiche Kurz-Produktion, die aktuelle Umweltprobleme thematisiert und Kinder und Erwachsene zusammenbringt, kommt wahnsinnig gut an! So ein Erfolg macht sich natürlich auch glänzend im Portfolio der Studenten und Alumni. Wer weiß, vielleicht hält die Zukunft noch weitere Preise bereit, denn es stehen noch einige Festivals an. Es bleibt also spannend... Das überglückliche Team dreht zur Zeit Danke-Clips, die ihr auf dem Kanal von Eggers & Lenni verfolgen könnt.

Wir gratulieren allen Mitwirkenden zu ihrem Erfolg, weiter so! 

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