Foto: © Open Iso

„Am liebsten mach ich alles selbst“ – POP Student zeigt erste Kollektion

Schimmernde Lichter, exklusive Gesellschaft, galante Garderobe und…Dinosaurier? Für Samuel Gärtner hat sich im Juli ein Traum erfüllt, denn der 23-jährige POP Student durfte im Frankfurter Senckenberg Museum seine erste eigene Mode-Kollektion ausstellen, inmitten von ausgestorbenen Ureinwohnern. Dabei hat der junge Designer vom Eventmanagement bis zur Handfertigung der Einzelstücke alles selbst organisiert – klingt nach 'ner Menge Arbeit. Kaum zu glauben, dass das Projekt aus der Lockdown-Langeweile geboren wurde. Wie aus einer spontanen Näh-Session ein erfolgreiches Event mit T-Shirt und T-Rex wurde, lest ihr im aktuellen Feature.

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Kampf der kreativen Mächte

Man muss nur einen Blick auf den jungen Designer werfen und sofort wird klar: Samuel hat Stil. Schon in seiner Kindheit hat er sich gern schick angezogen, wofür er seine modeinteressierte Mutter verantwortlich macht. In der Schule hat er das Näh-Handwerk erlernt; seitdem ist Mode sein ständiger Begleiter, doch bei weitem nicht seine einzige Leidenschaft. Der junge Frankfurter liebt alles, was mit sozialen Medien, Fotografie, Marketing und Management zu tun hat. Als es nach der Schule weitergehen sollte, stand Samuel jedoch vor einem Problem: Er hatte zu viele Interessen. „Ich konnte mich nie festlegen und stand ständig im inneren Kampf – was soll ich machen?“, erinnert er sich. „Ich hatte Angst, dass ich andere Interessen für immer verliere, wenn ich mich nur auf eines fokussiere“.

Samuel hat sich schon in verschiedenen Dingen ausprobiert. So begann er zum Beispiel, Fotos von Mode und Reisen auf Instagram zu posten, was ihm dann aus Versehen über 67 Tausend Follower beschert hat. Unabsichtlich Mode-Influencer? Kann passieren.

Nach langem Überlegen entschied er sich für das Studium Musik- und Eventmanagement an der Deutschen POP in Frankfurt. Events kann man in jedem Bereich organisieren, so lassen sich all seine Interessen durch dieses Studium kombinieren. Im Kampf der kreativen Mächte hat der Jungdesigner also einen Kompromiss gefunden, mit dem er glücklich ist. Besonders die dynamischen Fächer und die praktischen Einheiten sind ihm wichtig: „Ich brauche viel Praxis um zu lernen. Ich bin kein Fan von trockenem Studieren“.

„Ich saß dort und dachte – was mach ich jetzt?“

Als kreativer Mensch steht Samuel eigentlich immer unter Strom; der POP Student beschreibt sich selbst als Macher. So ein Lockdown schränke den kreativen Fluss ein; doch eigentlich nur, wenn man es zulässt, findet Samuel: „Langeweile hat für mich immer etwas Gutes, denn dann kann man dagegen angehen“. Prompt hat der enthusiastische Designer seine alte Nähmaschine entstaubt, ein paar Stoffe gekauft und drauf los geschneidert. Dabei hatte er gar nicht mal eine Kollektion im Sinn, sondern hat sich einfach über Beschäftigung gefreut. Irgendwann hatte er dann 32 Looks zusammen – zu schade, um damit nichts zu machen; so entstand die Idee, auf die Frankfurter Fashion Week hinzuarbeiten.

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„Ich gebe nicht so gern Arbeit ab“

Anfang Juli war es so weit - Im Rahmen der Frankfurter Fashion Week hat Samuel vor der Alten Oper und im Senckenberg Museum seine 32 Looks an 32 Models präsentiert. Das Ganze selbst auf die Beine zu stellen bringt natürlich einen Berg an Tasks mit sich, doch Samuel gesteht: „Ich gebe nicht so gern Arbeit ab, ich habe immer das Gefühl, dass es nicht so gut wird, wenn ich es nicht selbst erledige“.

Der pragmatische Eventmanager vereint Multi-Tasking-Talent mit einem Hauch Kontrollfreak; er hatte also alles prima im Griff: „Insgesamt war es sehr stressig, aber es hat sehr viel Spaß gemacht, ich liebe organisieren“. Trotzdem machte sich die Anspannung bemerkbar, immerhin steht und fällt alles mit Samuel als alleinigen Organisator: „Nächte vorher hab ich geträumt, dass das Event schief geht. Jetzt bin ich endlich wieder ausgeschlafen“.

Mit dem Ergebnis ist er zufrieden:

„Es hätte besser gar nicht laufen können, das Event war ein extremer Erfolg“,

verrät er uns später. Zu Gast waren viele Bekanntheiten mit sozialer Reichweite (z.B. Tiktok- und Instagram Influencer), so konnte Samuel sein Netzwerk erweitern. Bonus-Punkt: Das Event konnte er direkt als Projektarbeit für die Deutsche POP umsetzen.

 Schuster tragen die schlechtesten Schuhe

Für Samuel ist Mode eher eine Kunst als ein Handwerk. Durch seine Kreationen möchte er Anderen die Möglichkeit geben, ihre Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Beim Designen denkt er eher an andere Leute, statt sich selbst: „Das ist ganz komisch, ich seh mich selbst nie in den Sachen, die ich designe. Vielleicht bin ich ein bisschen wie Karl Lagerfeld, der hat auch nie seine eigenen Sachen getragen“. Inspiration bekommt Samuel auch in Stoffläden: „Ich gehe in den Laden, fasse den Stoff an, dann entstehen die Ideen von selbst“. Oft arbeitet Samuel einfach ohne Schnittmuster, denn diese seien oft eher Hindernis als Hilfe. Trotz seines Talents ist er bescheiden:

„Ich bin kein Schneidermeister. Wenn ein richtiger Schneider meine Arbeit sehen würde, würde er mir wahrscheinlich die Hände abhacken“,

lacht er. Ob Schneidermeister oder nicht – sein Tipp für Anfänger: Einfach machen, einfach kreativ sein, keine Angst haben. Das größte Problem sei die Angst, dass es schiefgehen kann. Ängste sollten einen dazu bringen, sich motivieren zu lassen: „Das Leben besteht aus Risiken, die sollte man nutzen, um weiterzukommen!“

Was die Zukunft für Samuel bringt, weiß er selbst noch nicht. Auf jeden Fall stürzt er sich voll ins Leben! Wir gratulieren dem Frankfurter POP Studenten zu seinem Erfolg. 

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