Foto: © Leyla Trebbien

„Einfach MACHEN“ – die Devise von Sprecherin Leyla Trebbien

Nur kurz ertönt das Freizeichen, dann nimmt eine junge, helle Stimme den Hörer ab. Diese sympathische Stimme gehört zu Leyla Trebbien, Absolventin der Akademie Deutsche POP Frankfurt, die uns in der vergangenen Woche ein exklusives Telefoninterview gab. Schon während des Gesprächs wurde eines schnell klar: Man hört ihr einfach gern zu. Und das ist in Leylas Branche Gold wert, denn mit ihrer Stimme verdient sie ihr Geld: Leyla arbeitet erfolgreich als Synchronsprecherin

Seit 2014 ist sie hauptberuflich als Sprecherin für Synchron, Werbung und Videospiele tätig. Neben diversen TV-Spots für Schwarzkopf, Innocent Smoothies oder Always, sowie einige Hauptrollen in Videospielen wie Spiderman, Call of Duty oder Tomb Raider ist sie seit kurzem die offizielle Werbestimme der Krombacher's Fassbrause Kampagne. Ebenso wird sie in den zukünftigen Final Fantasy Remakes "Jessie" die Stimme leihen.

Doch wie kommt man eigentlich zum Beruf Synchronsprecher? Diese Frage hört Leyla oft, und als Antwort hat sie ihre ganz eigene Geschichte zu erzählen.

Über Umwege zum Ziel

Für die fröhliche Frankfurterin hat sich die Karriere als Synchronsprecherin eher zufällig ergeben. Anfangs sah sich Leyla im Musik-Business, denn dort fühlt sie sich zuhause. Schon seit jungen Jahren ist sie musikbegeistert und singt in einer Band. Die Band ist für Leyla eher eine Leidenschaft auf hohem Niveau, doch durch Live-Auftritte hat sie schnell ein Interesse für Konzert-Fotografie entwickelt. So kam Leyla eines Tages zur Deutschen POP, um mehr über die Fotodesigner-Ausbildung zu erfahren. Vor Ort hat sie gesehen, wie vielseitig das Ausbildungsangebot ist und sich direkt für den Fotodesigner und den Synchronsprecher eingeschrieben.

„Ich finde es super, wie die POP einem entgegenkommt, wenn man mehrere Interessen hat“, lobt Leyla.

Schnell nach ihrer Ausbildung wagte die ambitionierte Absolventin die ersten Schritte in der Kreativbranche, um ihre frischgebackenen Fähigkeiten auszutesten. Dieser Mut hat sich gelohnt – so entpuppte sich die Konzertfotografie als schwieriger Beruf, der viele Jahre an Erfahrung und Reputation erfordert. Kurzerhand beschloss sie also, die Konzertfotografie als Nebenberuf auszuüben und sich ganz auf ihre Sprecherkarriere zu konzentrieren.

Guden Tach! Hier bin ich!

Foto: © Leyla Trebbien

Auf gut Glück stellte die junge Synchronsprecherin sich bei Studios und Agenturen vor und startete zielstrebig ins Business. Ihre Karriere begann sie mit kleineren Rollen, die aus wenigen Sätzen bestanden, bis sie immer sicherer wurde. So kam sie ihrem Traumberuf Satz für Satz näher und festigte ihre Richtung.

Du weißt eigentlich nicht, für welche Rollen deine Stimme geeignet ist – du musst loslegen und dich ausprobieren, keine Ausreden“

Und im Ausprobieren ist Leyla gut – Wirft man einen Blick auf ihre Website, so entdeckt man ein buntes Gemisch an Genres und Rollen: Von Werbungen und Hörspielen zu Videospielen, Telefonhotlines und Imagefilmen, Leyla hat alles schon mal mitgenommen. So hat sie ihre Stimme schon Charakteren aus Final Fantasy, World of Warcraft oder Call of Duty geliehen und bei einem Prinzessin Lillifee Hörspiel mitgewirkt. Auch in dem ein oder anderen bekannten Werbespot ist sie zu hören (z.B: Samsung, Mattel, Schwarzkopf).

Auf die Frage hin, ob sie eine Lieblingsrolle hat, lacht sie.

„Ich fühle mich eigentlich in vielen Rollen wohl, ob als Babydrache oder als schreiende Soldatin, man muss einfach alles einmal ausprobieren.“

Dabei verrät uns Leyla auch, dass Synchronsprechen nicht gleich Synchronsprechen ist: „Es gibt verschiedene Genres, die alle ihre verschiedenen Herausforderungen mit sich bringen.“

Besonders für Anfänger sei es leichter, ein paar Sätze in einem Videospiel zu sprechen, statt bei einem Film mitzuwirken, in dem man einem echten Menschen seine Stimme gibt: „In Videospielen ist man meist weniger eingeschränkt, das macht Spaß und gibt Sicherheit am Anfang“, erinnert sich Leyla.  Das bedeutet natürlich nicht, dass es hier keine Herausforderungen gibt. So muss man teilweise ohne Geräuschkulisse oder Bilder zur Inspiration arbeiten, und den Charakter mitsamt Emotionen quasi aus dem Nichts erschaffen. Dass Leyla früher einmal Theater gespielt hat, ist hier sicher eine große Hilfe.

Nicht aufschieben – einfach loslegen

Doch auch Leyla gibt zu, dass sie ihre Erfahrungen erst mühsam sammeln musste. So erzählt sie uns auch von einer Niederlage: „Einmal habe ich bei einem Tonstudio vorgesprochen, welches ausschließlich Hörbücher aufnimmt; dazu gehört auch, dass man eine Seite Fließtext fehlerlos lesen muss. Das lag mir noch nicht so“ lacht Leyla.

Aber solche Erfahrungen steckt sie locker weg, denn sie weiß den Wert negativer Erfahrungen zu schätzen: “Übung und Talent gehören zum Beruf, aber auch die gelegentliche Ablehnung“. So erkannte Leyla, an welchen Schwächen sie noch arbeiten kann, um sich selbst stetig zu verbessern.

Und was für Tipps hat die POP Absolventin für ihre fleißigen Nachfolger? Oft wird sie gefragt – wie werde ich Synchronsprecher? Hier lautet Leylas Devise ‚Einfach machen‘: „Mach erst mal eine Ausbildung in dem Bereich, und dann geh und stell dich in den Studios vor. Aber nicht anrufen oder mailen, hingehen!“

Foto: © Leyla Trebbien

Leyla erklärt, dass viele junge Synchronsprecher sich selbst im Weg stehen, da sie sich nie richtig bereit fühlen und lieber warten – genau diese Hemmschwelle muss überwunden werden. Für die ganz Unsicheren hat Leyla auch einen Rat: „Sei ehrlich zu dir selbst, und hol dir Feedback wo du kannst. Sei es ein Dozent, ein Freund, oder der Bäcker gegenüber, je mehr Kritik, desto besser!“

Zu guter Letzt rät Leyla, immer flexibel zu bleiben, denn oft kommen die Dinge anders, als man denkt: „Vielleicht wolltest du schon immer Hörbücher sprechen, aber findest doch dann doch in der Werbung wieder.“

Es heißt nicht umsonst Kreativbranche

Dass es Leyla an Flexibilität und Kreativität nicht mangelt, zeigt sie auch mit ihrem neuesten Projekt.
So hat sie sich als Reaktion auf die Corona-Krise kurzerhand eine eigene Sprecherkabine in ihren Kleiderschrak gebaut. Jobs scheint es in der Synchron-Branche nämlich genügend zu geben, doch da man das Haus nur bedingt verlassen kann, musste eine neue Lösung her. So macht Leyla ihre Arbeit eben live von zuhause aus, in ihrer neuen Sprecherkabine.

 „So kann ich auch von zuhause aus meiner Arbeit nachgehen – in meinem PAX Schrank!“

Ob nun im Studio, oder in ihrem Sprecher-Schrank, Leyla scheint ihren Traumberuf gefunden zu haben. Das spürt sie jedes Mal, wenn die Fanpost ins Haus flattert, oder wenn sie das Resultat ihrer Arbeit sieht: „Das ist immer große Gänsehaut, wenn man seinen Charakter mit seiner Stimme sieht – Man hat diesen Charakter zum Leben erweckt!“
Wir wünschen der ambitionierten Frankfurterin noch viel Erfolg auf ihrem Weg und sind überzeugt, dass sich ihr noch viele aufregende Möglichkeiten bieten werden.

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